Heute noch, im August 2022, haben in der Fußgängerzone in Bad Neuenahr erst eine Hand voll derjenigen Geschäfte wieder geöffnet, welche von der Flutkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 betroffen waren.


Und so mancher Kunde kommt seit März 2022 zu uns in die Apotheke und ist der Meinung, bei uns wäre durch die Flut ja nicht viel zerstört worden, denn alles sähe schon so aufgeräumt und auch unversehrt aus.

Wir wünschten, es wäre so gewesen, aber das Gegenteil war der Fall.

Ungläubig erfährt man dann, dass auch hier die Wassermassen mit Gewalt zugeschlagen, wir aber fast alles schon wieder aufgebaut und renoviert haben.

"Wir", das sind die Familien Liers, Johannes Liers, Inhaber seit 1973, Sohn Oliver mit Ehefrau Sandra.Wir haben das große, große Glück, in der Grafschaft, 7 km entfernt und viel höher als das Ahrtal gelegen, zu wohnen und dementsprechend "nur" mit der Apotheke betroffen zu sein.

"Wir" sind aber auch alle Familienmitglieder, Freunde, Mitarbeiter, Bekannte und Unbekannte, Handwerker, die uns in dieser Zeit und beim Neuanfang geholfen, die Treue gehalten und moralisch unterstützt haben.

Man kann es nicht oft genug sagen:

DANKE!

Zum Jahrestag des schrecklichen Ereignisses am 15.07.2022 haben auch wir uns zurückerinnert, wie es war, in der Nacht der Flut, die Ängste und Sorgen um Familienmitglieder, Freunde, Mitarbeiter, allen Menschen an der Ahr.

Vom Aktionismus der ersten Tage, mit Schlammschaufeln und Räumen bis zur Erschöpfung, über das Einrichten einer improvisierten Lösung, um eine Notversorgung der Menschen gewährleisten zu können, welche nachher 3 Monate andauern sollte. Den Überlegungen, wie man es schafft, die Mitarbeiter weiter zu bezahlen, wie lange das Geld hierfür reicht, wie es mit der Apotheke überhaupt weiter gehen kann und soll. Bis hin zur gleichzeitigen Planung und Umsetzung des Wiederaufbaus, in der Gewissheit, dass man mit spitzen Bleistift rechnen musste, da auch wir unterversichert waren.

In der ganzen Zeit haben wir viel Gutes aber auch große Enttäuschungen erfahren. Es wurde nächtelang sich grübelnd im Bett gewälzt, es wurde gelacht und ebenso geweint, auch heute noch… Man hat Menschen mit Ihrem wahren Ich kennengelernt, auch hier im guten wie im schlechten Sinne. So gaben sich im vergangenen Jahr schöne und schlechte Überraschungen stetig die Hand.

Und nichts ist so wie es mal war, aber eins haben wir entschieden für uns mitzunehmen: Komme was wolle, so leicht bekommt uns nichts mehr klein! Wir haben gelernt zu kämpfen, Probleme zu lösen, konventionell oder ungewöhnlich und oft gestärkt aus einer Situation wieder heraus zu kommen. Wie so viele an der Ahr!
Aber auch wir wissen, es ist noch ein sehr langer Weg, für alle hier!

Nun hoffen wir, dass sich die Mühen lohnen. Dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt, sie nicht wiederholt und die Chance nutzt, das Leben an der Ahr wieder lebenswert und sicher zu gestalten. Das solch eine Katastrophe nie wieder in diesem Ausmaße geschieht!

ENTTÄUSCHT UNS NICHT!!

An die Zerstörung durch die Flutkatastrophe und an den andauernden Neuanfang möchten wir hiermit erinnern….

Am Abend des 14.07. wurden von uns noch Arzneimittel in der Grafschaft ausgeliefert. Nach und nach wurden die einzelnen Dörfer wegen Überschwemmungen abgesperrt. Die Bäche liefen über, die Felder waren übersättigt mit Wasser und nach und nach war kein Durchkommen mehr.

Auch wir haben die Wetterwarnungen erhalten. Aber selbst beim Anblick der überfluteten Straßen, Felder und Wege in den kleinen Orten war uns zu keiner Zeit bewusst, dass es im Ahrtal zu solch einem schlimmen Ereignis kommen sollte.

In der Nacht vom 14. auf den 15.07.2021 erreichte uns dann um ca. 1.00 Uhr ein Anruf einer Kollegin von der Apotheke schräg gegenüber.

In der Strasse vor der Apotheke stände hüfthoch das Wasser. Aber als reißender Fluss! Sie hätten noch versucht ihre Türen mit Sandsäcken abzudichten, aber das Wasser wäre so schnell gekommen, dass sie es nicht mal mehr geschafft hätten, das Auto vom Hof zu retten. Aus der Grafschaft runterzukommen hätte keinen Sinn, man käme sowieso nirgends hin. Aber wir sollten uns auf das Schlimmste gefasst machen!

So tigerten wir zu Hause durch die Zimmer, vefolgten in den sozialen Medien, wie immer mehr Bilder und Videos von den Überschwemmungen der Ahr und z.B. zerberstenden Wohnmobilen an Brücken gepostet wurden.

Irgendwann roch man selbst bei uns in der Grafschaft das austretende Heizöl aus den Heiztanks der überfluteten Häuser und immer mehr Sirenen von Einsatzkräften waren in der Ferne zu hören.

Um 6.00 Uhr morgens wagten wir uns im heller werdenden Tage dann nach Bad Neuenahr…

Die ersten Blicke, auf die immer noch überflutete Hauptstrasse, morgens gegen 6.00 Uhr…

2018/2019 hatten wir die Apotheke gerade grundsaniert….über 1 Jahr lang…. von der Elektrik und Heizung bis zu den Büroräumen und der kompletten Inneneinrichtung.

Und wie bei allen, innerhalb von wenigen Stunden war alles zerstört.

Fassungslos standen wir vor den zerstörten Überresten….

Unser Komissionierautomat mit über 15.000 Medikamenten wurde ebenso geflutet.

Und dann folgte das große Entkernen…

Weitere Bilder vom Aufbau folgen…

Hier noch einige Fotos aus den Tagen nach der Katastrophe zur Erinnerung.

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